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„Deutschland
ist als Pferdeland in eine nie dagewesene Krise geraten. Weitere
Anstiege bei den tierärztlichen Gebühren sind nicht verkraftbar.
Ein Abwarten auf die Ergebnisse der nicht allumfassenden Evaluierung
ist nicht hinnehmbar“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung.
„Eines möchten wir vorwegschicken. Tierärztliche Leistungen müssen
angemessen vergütet werden. Jedoch ist an vielen Stellen die Grenze
der Belastbarkeit erreicht und überschritten“, betonen die drei
Präsidenten Prof. Dr. h.c. Martin Richenhagen (Pferdesport Deutschland),
Dr. Michael Vesper (Deutscher Galopp) und Peter Weihermüller (Hauptverband
für Traberzucht) gemeinsam.
Auslöser für das gemeinsame Vorgehen ist ein Gruppeninterview
im Rahmen der Evaluation, das deutlich machte, wie gravierend
die negativen Auswirkungen der GOT-Novelle 2022 auf den Pferdesektor
sind. Die Vertreter der AFC Public Services, die die Evaluierung
im Auftrag des Bundesministeriums durchführen, zeigten sich im
Gespräch sichtbar überrascht von Ausmaß und Tiefe der Problematik.
Für die Verbände wurde damit unmissverständlich klar: Die derzeitige
Evaluierung greift zu kurz, sie untersucht die Folgen für Tierhalterinnen
und Tierhalter nicht und sie beantwortet nicht die zentrale Frage,
wie eine wirtschaftlich tragfähige tierärztliche Versorgung für
alle Beteiligten langfristig gesichert werden kann.
Die Präsidenten der drei Verbände machen deutlich, dass die Probleme
weit über steigende Behandlungskosten hinausgehen. Die Pferdezucht
verzeichnet dramatische Rückgänge bei den Bedeckungszahlen,
Reitschulen schließen in alarmierender Häufigkeit, und
immer mehr Pferdehalter stehen vor der Existenzfrage, ob
sie sich ihr Pferd überhaupt noch leisten können. Fachleute berichten
von zunehmenden wirtschaftlich bedingten Einschläferungen
und Schlachtungen sowie einer wachsenden Zahl von Tieren, die
verzweifelt an Hilfsorganisationen abgegeben werden. Gleichzeitig
werden notwendige tierärztliche Behandlungen häufiger aufgeschoben
– ein klarer Rückschritt für den Tierschutz.
Zudem sehen die Verbände den Umstand, dass die Tierärzteschaft
selbst zunehmend die Folgen bemerkt. Viele Pferdehalter wenden
sich aus Kostengründen ab, Praxen verlieren Kundschaft.
Die Präsidenten beschreiben noch eine weitere Entwicklung: Der
steigende Anteil von Praxen in Fremdbesitz führt dazu, dass ein
großer Teil der finanziellen Last nicht der veterinärmedizinischen
Versorgung, sondern Kapitalgesellschaften zugutekommt.
Die Folgen dieser Entwicklung werden in der laufenden Evaluierung
jedoch bislang nicht untersucht.
Die drei Verbände fordern deshalb eine Erweiterung des Evaluationsauftrags.
Nur eine umfassende Analyse könne gewährleisten, dass sowohl die
Interessen der Tierärzteschaft als auch die derjenigen, die die
Gebühren bezahlen müssen, berücksichtigt werden – so wie es §
12 der Bundes-Tierärzteordnung auch vorschreibt. Diese Interessen
wurden bereits 2022 nicht erhoben; ein erneutes Versäumnis wäre
aus Sicht der Branche nicht nur sachlich falsch, sondern politisch
unverantwortlich.
Deutschland ist das einzige Land in der Europäischen Union, das
eine bindende Gebührenordnung für tierärztliche Leistungen vorschreibt.
In anderen Branchen – etwa bei Architekten und Ingenieuren – haben
sich in Deutschland unverbindliche Honorarstrukturen längst bewährt.
„Wir fordern die umgehende Aufhebung der Verbindlichkeit der Gebührenordnung,
um eine sofortige Entlastung der Verbraucher zu erreichen. Unserer
Auffassung nach sollte die Vergütung tierärztlicher Leistungen
Abstimmungssache zwischen Pferdehalter und Tierarzt sein“, erklären
die Präsidenten und fahren fort: „Die GOT kann bei dabei einen
orientierenden, aber nicht verbindlichen Rahmen bieten. So ist
es beispielsweise in Österreich geregelt.“
Die Präsidenten betonen in ihrem Schreiben die enge Verbundenheit
der Pferdebranche mit der Tierärzteschaft. Das Ziel sei kein Gegeneinander,
sondern ein verlässlicher Rahmen, der es beiden Seiten ermöglicht,
ihrer Verantwortung gegenüber Tier und Mensch gerecht zu werden.
Die Verbände bieten dem Minister deshalb ein kurzfristiges persönliches
Gespräch an, um die Lage umfassend darzustellen und Lösungsschritte
gemeinsam zu erarbeiten.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) schlägt ein neues
Kapitel auf: Mit „Pferdesport Deutschland“ hat sie im Rahmen der
spoga horse in Köln eine neue Initiative offiziell eingeführt.
Logo und Leitidee wurden dort erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.
Pferdesport Deutschland ist dabei mehr als eine Marke – es ist
ein gemeinsamer Aufbruch für den Pferdesport in Deutschland.
Mit Pferdesport
Deutschland schafft die FN eine neue, verbindende Klammer für
den gesamten Sport. Die Initiative steht für klare Werte: Pferdewohl,
Wissen und Fairness. „Unser Ziel ist es, die ungebrochene Begeisterung
für das Pferd in noch mehr Verantwortung münden zu lassen. Für
eine partnerschaftliche Beziehung zwischen Pferd und Mensch. Für
ein respektvolles Miteinander und fairen Sport. Für ein Leben
mit Pferden“, sagte Dr. Dennis Peiler, Vorstandsvorsitzender der
FN.
Siehe hier
Fragen? Die 20 wittelsbuerger.com-Experten helfen gerne weiter,
z.B. Nico Hörmann, Grischa Ludwig oder Daniel Klein für den
Bereich Reining.
Zum
wittelsbuerger.com-Expertenforum gelangen Sie hier.
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